18: Ich kann es nicht mehr hören

18: Ich kann es nicht mehr hören

In dieser Folge von „Ohmazing Inside Out“ beschäftige ich mich mit einem Satz, den ich selbst sehr häufig denke und sage: „Ich muss noch schnell.“ Ich merke zunehmend, wie sehr mich dieser Satz begleitet und wie selbstverständlich ich danach handle. Gleichzeitig frage ich mich, warum eigentlich alles schnell gehen muss und wer bestimmt, dass ich etwas unbedingt tun muss. Für mich ist dieser Satz zu einer Gewohnheit geworden, die ich nicht länger als selbstverständlich hinnehmen möchte.

 

Ich komme aus einem Leben, in dem ich sehr organisiert, schnell und leistungsorientiert war. Ich war häufig Monate im Voraus ausgebucht und hatte neben meiner Arbeit auch meine Familie, meine Kinder und den Ponyhof zu organisieren. Später kam zusätzlich der Aufbau meiner Online-Selbstständigkeit dazu. Da ich tagsüber kaum Zeit dafür hatte, lernte ich nachts und beschäftigte mich mit Sales, Technik und neuen Aufgaben. Ich war stolz darauf, wie viel ich schaffen konnte, und habe meine Schnelligkeit lange als Teil meiner Persönlichkeit verstanden. Ich bezeichnete mich selbst als „Rennpferd“, das schnell denkt, spricht und handelt.

Dabei bemerkte ich lange nicht, wie anstrengend dieses Tempo eigentlich für mich war. Es wurde zu meiner Normalität und fühlte sich deshalb nicht unbedingt wie Stress an. Erst mein Körper begann irgendwann, mich auszubremsen. Durch verschiedene gesundheitliche Herausforderungen musste ich lernen, langsamer zu werden. Dabei erkannte ich, dass ich nicht erst krank sein muss, um eine Pause machen zu dürfen. Mir darf es gut gehen und trotzdem darf ich langsam sein.

Ein Gespräch mit einer Freundin brachte mich dabei besonders zum Nachdenken. Ich sagte, dass ich, sobald ich wieder gesund und fit sei, natürlich wieder schnell sein müsse. Sie machte mir bewusst, dass diese Verbindung überhaupt nicht logisch ist. Ich kann gesund sein und mich trotzdem für ein langsameres Tempo entscheiden. Dadurch erkannte ich, wie sehr ich Geschwindigkeit bisher mit Leistungsfähigkeit und Erfolg verbunden hatte.

Ich möchte deshalb lernen, den Satz „Ich muss noch schnell“ bewusst wahrzunehmen und nicht mehr automatisch danach zu handeln. Wenn er auftaucht, versuche ich innezuhalten, durchzuatmen und mich zu fragen, ob ich etwas wirklich tun muss und ob es tatsächlich jetzt schnell erledigt werden muss. Dabei geht es nicht darum, nichts mehr zu tun, sondern bewusster zu entscheiden, was ich wann und in welchem Tempo machen möchte.

Ein wichtiger Teil davon ist für mich auch die Frage nach meiner Identität. Wer bin ich, wenn ich nicht immer die Schnellste, Beste oder Produktivste bin? Was passiert, wenn ich einen Tag weniger schaffe oder bewusst Pausen mache? Ich erkenne, dass ich meinen Wert lange mit Leistung und Geschwindigkeit verbunden habe. Heute möchte ich lernen, mich nicht dafür zu verurteilen, wenn ich langsam bin oder Zeit für mich nehme.

Außerdem frage ich mich, welche Verantwortung ich abgeben kann. Ich muss nicht alles alleine schaffen und darf Aufgaben innerhalb der Familie oder im Alltag verteilen. Statt die Einzelkämpferin zu sein, möchte ich mehr Teamwork zulassen und meine eigenen Regeln für mein Leben bestimmen.

Als Beispiel dienen mir die Pferde auf der Koppel. Sie bewegen sich die meiste Zeit ruhig und in ihrem eigenen Rhythmus. Wenn sie Energie haben, rennen und galoppieren sie, danach kehren sie wieder zur Ruhe zurück. Für mich zeigt das, dass ein gesundes Leben nicht aus dauerhaftem Tempo bestehen muss.

Zum Schluss komme ich zu dem Gedanken, dass Selbstführung für mich nicht bedeutet, immer mehr in immer weniger Zeit zu schaffen. Selbstführung bedeutet, bewusst zu wählen, was ich wann und wie tun möchte. Ich darf schnell sein, wenn ich möchte, und langsam sein, wenn ich es brauche. Mein Leben muss keinem fremden Tempo entsprechen. Deshalb möchte ich den Satz „Ich muss noch schnell“ nicht länger als Lebensregel akzeptieren, sondern meine eigene Geschwindigkeit bewusst wählen.

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