24: Sichtbarkeit ohne Selbstdarstellung
n meiner Podcastfolge von Ohmazing Inside Out spreche ich über ein Thema, das viele Frauen beschäftigt: Sichtbarkeit ohne Selbstdarstellung. Ich erlebe immer wieder, dass das Wort Sichtbarkeit Ängste auslöst. Wir möchten uns zeigen, unsere Botschaft nach außen tragen und Menschen erreichen, trauen uns aber oft nicht, wirklich wir selbst zu sein. Stattdessen glauben wir, größer, besser, schöner oder perfekter sein zu müssen. Doch was wäre, wenn Sichtbarkeit gar nicht bedeutet, etwas darstellen zu müssen, sondern einfach sein zu dürfen?
Für mich beginnt echte Sichtbarkeit nicht im Außen, sondern in uns selbst. Es geht darum, zu wissen, wer wir sind, uns mit unseren Stärken und Schwächen anzunehmen und genau daraus nach außen zu gehen. Ohne Maske, ohne Schauspielerei und ohne ständig darüber nachzudenken, was andere Menschen von uns erwarten oder über uns denken könnten. Wir dürfen unsere eigene Wahrheit leben und zeigen – durch unsere Worte, unser Handeln, unseren Umgang mit anderen und vor allem durch den Umgang mit uns selbst.
Ein persönliches Beispiel dafür sind meine grauen Haare. Seit einigen Monaten lasse ich meine natürliche Haarfarbe herauswachsen. Lange Zeit war es für mich selbstverständlich, meine Haare zu färben. Ich kannte es aus meiner Familie kaum anders und hatte gar nicht wirklich hinterfragt, ob graue Haare mit Anfang 40 nicht genauso selbstverständlich sein dürfen wie jede andere Haarfarbe. Inzwischen verliebe ich mich immer mehr in mein Silber und möchte nicht länger Farbe auf meinen Kopf geben, die meine Haut reizt. Was früher für mich ein störender grauer Ansatz war, ist heute etwas, das ich bewusst wachsen lassen möchte. Meine Perspektive hat sich verändert – und damit auch mein Gefühl von Freiheit.
Wie viele andere Themen gibt es, bei denen wir uns nicht trauen, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind? Dabei müssen wir nicht allen gefallen. Viel wichtiger ist, dass wir uns selbst sehen, uns annehmen und unseren eigenen Weg gehen. Dass wir uns erlauben, einzigartig zu sein, und dadurch vielleicht auch andere Frauen inspirieren, mutiger zu werden.
Wie wunderbar das funktionieren kann, habe ich bei unserer 30-Tage-Challenge „Echt ehrlich ich“ erlebt. Dabei ging es darum, kurze Videos von uns selbst zu veröffentlichen – ohne etwas zu verkaufen oder ein Produkt zu bewerben. Einfach echte Einblicke in unseren Alltag. Mein erfolgreichstes Video zeigte ausgerechnet meine kaputte Regenrinne, deren Geräusch ich gesucht habe und über die ich herzlich lachen musste. Nicht das besonders kluge oder perfekt inszenierte Video wurde am häufigsten angeklickt, sondern dieser ganz normale, lustige Moment. Das hat mir wieder gezeigt, dass Echtheit Menschen berühren kann, ohne dass wir uns dafür besonders anstrengen müssen.
Auch meine eigenen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie kraftvoll es sein kann, sich unverstellt zu zeigen. Bei einem Erste-Hilfe-Kurs war ich einmal völlig überfordert. Nach einem anstrengenden Morgen und einem unerwarteten Raumwechsel konnte ich meine Gefühle nicht mehr zurückhalten und fing vor den anderen an zu weinen. Normalerweise weine ich nicht vor anderen Menschen. Doch in diesem Moment war es einfach zu viel. Statt meine Gefühle zu verstecken, ließ ich sie zu. Und plötzlich öffneten sich auch die Herzen der anderen. Sie halfen mit, packten an und begegneten mir mit Verständnis. Meine Verletzlichkeit war keine Schwäche, sondern ermöglichte Verbindung.
Meine wichtigste Erkenntnis ist deshalb: Sichtbarkeit muss keine Selbstdarstellung sein. Sie darf aus unserem Inneren entstehen und sich ganz natürlich im Außen zeigen. Wir müssen nicht perfekter werden, um sichtbar zu sein. Wir dürfen lachen, weinen, zweifeln, ausprobieren und unseren eigenen Weg gehen.