7: Am Ende ergibt alles einen Gin!

7: Am Ende ergibt alles einen Gin!

Von der kleinen Anna mit dem Ananas-Schlafanzug zur selbstständigen Pferdetierärztin

In dieser Folge von Ohmazing Inside Out treffe ich auf Anna – Pferdetierärztin, Unternehmerin, Frau mit großem Herzen und, wie sie selbst sagt, jemand, die schon immer ein bisschen „drüber“ war.

Alternativ kannst du diese Folge auf youtube, Apple Podcasts, amazonmusic oder Deezer hören. 

Dabei beginnt Annas Geschichte ganz unspektakulär: Mit fünf Jahren wusste sie bereits, dass sie Tierärztin werden wollte. Bei einer Impfung traf der Tierarzt versehentlich ein Hautgefäß. Für die kleine Anna sah es aus, als hätte der Mann den Hund „halb geschlachtet“. Ihre Reaktion: „Ich werde ein viel besserer Tierarzt als du.“

Gesagt, getan – auch wenn der Weg alles andere als geradlinig war.

Sechs Jahre warten – und dann einfach losfliegen

Nach dem Abitur lernte Anna zunächst Tierarzthelferin und arbeitete in verschiedenen Praxen und einer Pferdeklinik. Doch der Studienplatz für Tiermedizin ließ auf sich warten.

Drei Jahre Ausbildung, anschließend weitere Jahre des Wartens. Insgesamt sechs Jahre, bis es endlich klappte.

Mit 25 Jahren kam schließlich der Moment, an dem Anna beschloss: Jetzt mache ich etwas Verrücktes.

Sie kündigte Wohnung, Job und Vereinsmitgliedschaften, flog mit ihren Eltern nach Texas – und hatte ein One-Way-Ticket.

„Ich bin doch nur eine Tierärztin“

Heute ist Anna selbstständige Pferdetierärztin. Dabei war genau das ursprünglich nie ihr Plan.

Sie wollte nie mobil arbeiten, nie selbstständig sein und eigentlich auch nicht unbedingt in die klassische Rolle der Pferdetierärztin schlüpfen.

Doch ein schwieriges Ende ihres Angestelltenverhältnisses und die Erfahrung, als Pferdetierärztin plötzlich arbeitslos zu sein, brachten sie zum Umdenken.

Anna sprach mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufen und entschied irgendwann:

„No risk, no fun.“

Sie nahm einen großen Kredit auf, machte sich selbstständig und beschloss, ihr Ding auf ihre eigene Art zu machen.

Heute kann sie genau das: anders arbeiten, anders denken und ihre Persönlichkeit in ihren Beruf einbringen.

Empathie ist keine Schwäche

Ein besonders berührender Teil des Gesprächs ist Annas Umgang mit den emotionalen Seiten ihres Berufs.

Als Tierärztin begleitet sie Tiere und ihre Menschen über Jahre hinweg – von der Geburt bis zum letzten Weg. Sie erlebt Behandlungserfolge und die Freude, wenn ein schwer krankes Pferd wieder über die Koppel galoppiert. Aber sie erlebt auch Abschiede.

Und Anna gibt offen zu: Sie nimmt vieles mit nach Hause.

Sie ist empathisch, emotional und kann nicht einfach nach einem Einsatz einen Schalter umlegen.

Gerade darin liegt aber auch ihre Stärke.

Besonders bewegt sie die Dankbarkeit der Menschen – und manchmal auch die Reaktion der Tiere. Und wenn gestandene Männer bei der Euthanasie ihres Tieres plötzlich weinen, zeigt sich, wie tief die Verbindung zwischen Mensch und Tier gehen kann.

„Ich bin halt einfach gut.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, was Anna eigentlich besonders macht.

Ihre Antwort ist bemerkenswert ehrlich.

Sie war schon immer laut. Anders. Manchmal „drüber“. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge und sagt lieber ehrlich, wenn etwas einfach „kacke“ ist, statt es schönzureden.

Gleichzeitig kann sie bei einem Glas Weißwein tief über das Leben philosophieren und genauso gut mit Gummistiefeln im Schlamm auf Wacken stehen.

Diese vielen Facetten gehören für sie zusammen.

Und dann erzählt sie von einer Diskussion, in der sie einen Satz sagte, den viele Frauen vermutlich nur schwer über die Lippen bekommen:

„Ich bin halt einfach gut.“

Was eigentlich eine simple Feststellung sein könnte, wurde sofort als arrogant interpretiert.

Warum eigentlich?

Warum darf ein Mann sagen, dass er gut ist, während eine Frau sich dafür rechtfertigen muss?

Anna möchte mit ihrem Beispiel anderen Menschen Mut machen, zu ihren Fähigkeiten zu stehen. Nicht besser zu sein als andere – sondern anzuerkennen, was man selbst kann.

„Einfach machen“

Ein Lebensmotto ihres Großvaters begleitet Anna bis heute:

„Du musst immer groß denken.“

Und dazu kommt ihr eigener Grundsatz: einfach machen.

Nicht immer ist das, was sie tut, perfekt durchdacht. Manchmal geht etwas schief. Aber dann wird daraus gelernt und weitergemacht.

Denn das Leben wartet nicht darauf, dass wir für jede Situation perfekt vorbereitet sind.

Es geht darum, sich selbst zu vertrauen und darauf zu wissen: Irgendwie finde ich eine Lösung.

Die kleine Anna darf bleiben

Vielleicht die schönste Geschichte des Interviews erzählt Anna ganz am Ende.

Als Kind hatte sie einen Schlafanzug mit einer Ananas darauf. Als sie trocken geworden war, sagte sie voller Stolz:

„Anna nicht nass, Anna trocken.“

Viele Jahre später ließ sie sich eine Ananas tätowieren.

Für sie ist sie eine Erinnerung an das innere Kind, das sie sich bewahren möchte.

Denn erwachsen zu sein bedeutet für Anna nicht, den kindlichen Teil in sich aufzugeben.

Wer mehr über Anna erfahren möchte, findet alle Kontaktdaten unter http://www.pferdepraxis-freitag.de oder über Instagram unter: pferdepraxis_af

Im Gegenteil.

Und dass ein Satz wie „Ich bin gut in dem, was ich tue“ kein Zeichen von Arroganz sein muss – sondern von Selbstanerkennung.

Zurück zum Blog